Verkehrsunfall – was tun am Unfallort?

Im Stadtverkehr oder auf der Autobahn – ein Spurwechsel, ein Bremsmanöver oder ein unerwartetes Hindernis und schon ist es passiert. Nach dem Unfall gilt es zuerst, die Verletzungen behandeln zu lassen und wieder zu einem klaren Kopf zu kommen. Denn die Folgen eines Verkehrsunfalls sind sehr weitreichend und durchaus vielfältig.

Standardfragen nach dem Unfall:

  • Unfallort absichern – aber wie?
  • Hilfeleistung – was ist zu tun?
  • Dableiben oder Wegfahren?
  • Wann muss die Polizei kommen?
  • Was müssen Sie tun, um den Schaden von der Versicherung bezahlt zu bekommen?
  • Wo liegen die Tücken bei den Schadensfällen?

Es ist kaum zu erwarten, dass Sie kurz nach dem Crash auf alle diese Fragen eine hundertprozentrichtige Antwort haben. Aber trotzdem schadet es nicht, über jeden der Punkte zumindest allgemein Bescheid zu wissen.


Unfallort absichern und Hilfe leisten?

Gesetzlich sind Sie, sowohl nach dem Strafgesetzbuch als auch nach Verkehrs- und Schadensrecht, verpflichtet, nach einem Unfall Ihr Möglichstes zur Hilfeleistung zu tun. Im konkreten Fall bedeutet dies, dass Sie die Unfallstelle schnellstens gegen den laufenden Verkehr absichern, um weitere Unfälle zu vermeiden. Zu diesen Absicherungsmaßnahmen gehört auch das Tragen der Warnweste durch Sie und alle Ihre Fahrzeuginsassen! Bestenfalls trennen Sie die Absicherung und Hilfeleistung – Ihr Beifahrer sichert und Sie helfen den Verletzten, sofern Sie körperlich dazu in der Lage sind.

Dableiben oder Wegfahren

Das Verständigen von Sanitätern und Polizei versteht sich quasi von selbst. Die Entfernung vom Unfallort und damit aus der Reichweite des Verletzten wird aber grundsätzlich als unterlassene Hilfeleistung ausgelegt und ist daher strafbar.

LAW-APOYNT-TIPP: Bei Wiederbelebungsmaßnahmen müssen Sie nicht zaghaft sein. Es gibt keine Schuld, wenn die Wiederbelebung zu rabiat ausfällt. Der Wille zur Rettung des Lebens schützt vor einer strafbaren Körperverletzung. Lieber eine kräftige Herzdruck-Massage als ein Menschenleben verlieren.

Sonderfälle Wildtiere und Parkplatzrempler

Bei einem Crash mit einem Reh erteilt das Tierschutzgesetz Meldepflichten. Das heißt: Rufen Sie an und warten Sie auf die Polizei.

Bei einem „Streifer“ an einem Auto auf dem Supermarktparkplatz wird weitverbreitet angenommen, eine Visitenkarte an der Scheibe des Unfallgegners zu klemmen, würde reichen! Das reicht nicht aus! Zuerst sollten Sie nachsehen, ob es Zeugen für den Parkrempler gibt. Grundsätzlich müssen Sie, auch wenn Sie selbst Zeit- oder Termindruck haben, eine angemessene Zeit warten. Eine halbe Stunde wird dabei als angemessen angesehen bei leichten Schäden, bei schweren haben Urteile schon bis zu 2 Stunden als Wartezeit vorausgesetzt. Erst dann können Sie Ihre Kontaktdaten hinterlassen – und müssen innerhalb von 24 Stunden die Polizei informieren! – Ansonsten wird Ihr Verlassen des Unfallortes als Unfallflucht gewertet, die strafbar ist.

Bei Blechschäden normalerweise Polizei nicht zwingend notwendig?

Handelt sich bei den Unfallschäden im Straßenverkehr um reine Blechschäden könnten Sie auf den Ruf nach den Ordnungshütern verzichten. Es kann Ihnen sogar als Verkehrsbehinderung ausgelegt werden, wenn Sie bei reinen Blechschäden direkt an der Unfallstelle einfach stehenbleiben. Trotzdem macht es Sinn die Polizei zu rufen, nachdem Sie Bilder von der Unfallstelle und der Kollisionsendstellung der Fahrzeuge gemacht haben. Bei der Aufklärung des Unfallhergangs stützt sich die gegnerische Haftpflichtversicherung gern auf die Ermittlungen der Polizei. Sofern hier keine Ermittlungsakte vorliegt, kann sich die Unfallregulierung länger als notwendig hinauszögern oder schwieriger werden.


Daten erheben – einfache Sache!

Was Sie natürlich brauchen, egal ob Polizei kommt oder nicht – Sie erfragen die Daten des Unfallgegners:

  • Name und Vorname des Fahrers (gegebenenfalls auch die des Halters)
  • Anschrift und Telefon
  • Kennzeichen und Fahrzeugtyp
  • Versicherungsnummern und die versichernde Gesellschaft
  • Datum, Uhrzeit, Ort des Unfalles
  • Namen und Telefonnummern von Zeugen.

Eine Sache muss immer unterbleiben! Unterschreiben Sie niemals am Unfallort ein Schuldanerkenntnis!

LAW-APOYNT-TIPP: Polizei rufen ist immer geraten, wenn Sie privat mit einem Mietwagen oder im Auftrag Ihres Arbeitgebers mit dem Firmenwagen unterwegs sind. Gerade bei Firmenwagen und Mietwagen gibt es besondere Nachweispflichten – daher stets die Polizei informieren!

Schaden melden - wir helfen im Streitfall

Für die Meldung des Schadens bei der Versicherung haben wir noch einen eigenen Blogbeitrag für Sie zusammengestellt. Falls Sie Beratung im Rahmen des Verkehrs- oder Schadensrecht benötigen, steht Ihnen unser kompetentes Team aus Fachanwälten gern zur Seite – denn Sie sollten nicht auf den Kosten sitzen bleiben, wir kämpfen für Sie.

 

 

LAW-APOYNT-TIPP: Für den Geschädigten eines Unfalls ist dies Schadensregulierung kostenfrei, da die gegnerische Haftpflichtversicherung die Anwaltskosten zahlen muss. Sie haben das Recht auf eine kompetente Vertretung im Schadensfall, daher sollten Sie sich stets an einen Fachanwalt für Verkehrsrecht wenden.

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