Die richtige Unternehmens-Rechtsform – 3 entscheidende Fragen!

Ein Unternehmen in Gründung aber auch eine gestandene Firma steht vor der Frage, welche Rechtsform für die Zukunft die beste Wahl ist. Und um das Ergebnis vorweg zu nehmen, es gibt keine „Super“-Lösung bei den einzelnen Rechtsformen. Vielmehr müssen Sie als Unternehmer die entscheidenden Fragen zuallererst stellen und später beantworten, um eine Auswahl der geeigneten Unternehmensform zu bilden. Und auch dort sind dann Funktionen und Eigenarten zu beachten, die die jeweiligen Formen mit sich bringen.

Doch zurück zu den Eckpunkten – damit Sie sich im Gewirr der unterschiedlichen Unternehmensformen erst einmal einsortieren können, haben wir die drei zentralen Fragen und die daraus folgenden Ergebnisse in diesem Blogbeitrag zusammengestellt. Um den Überblick möglichst umfassend zu gestalten, sind bei den einzelnen Rechtsformen auch noch Vor- und Nachteile integriert. Dadurch erhalten Sie einen guten Überblick und quasi eine Scheckliste – denn allgemein gilt, je weniger die Haftung auf die Gesellschafter wirkt desto formaler und auch geschäftlich beeinflussender werden die Wirkungen der einzelnen Rechtsformen.

Frage 1: Wie viele Personen gründen / sollen die Gesellschaft tragen?

Diese Frage bringt einen gewissen Ausschluss, denn wird Ihre Firma von mehr als einer Person betrieben, wären Einzelunternehmen oder der eingetragene Kaufmann als Rechtsform ausgeschlossen. Diese Unternehmensformen existieren nur für einen einzigen Gründer/Unternehmensherrn.

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Einzelunternehmen

Eine Gewerbeanmeldung reicht normalerweise aus. Für Einzelunternehmen gibt es kaum Beschränkungen. Es werden nur geringe formale Eckdaten, wie eben die Anmeldung des Gewerbes, verlangt. Da weder Einlagen zu leisten noch ein Gesellschaftsvertrag aufzusetzen ist, kann der Einzelunternehmer quasi tun und lassen, was er will. Nachteil der Freiheit ist die unbegrenzte Haftung mit Firmen- und Privatvermögen. Da das Einzelunternehmen auch keine eigene Rechtspersönlichkeit aufweist, handelt der Einzelunternehmer immer in seinem persönlichen Namen.

Einzelkaufmann (e.K.)

Der Einzelkaufmann (e.K.) hat mit der Eintragung im Handelsregister eine zusätzliche formale Hürde zu überwinden. Bedingt durch diese Darlegung besitzt der Einzelkaufmann eine deutlich höhere Wertschätzung bei potentiellen Vertragspartnern und Geldgebern – Thema Vertrauen. Wer sich die Arbeit macht, ins Handelsregister zu kommen, der wird (normalerweise) auch sonst in seinen Angelegenheiten ordentlich arbeiten.


Frage 2: Handelt es sich um einen haftungsunbegrenzten Zusammenschluss von Privatpersonen oder Kaufleuten?

Äquivalent zu Einzelunternehmen und Einzelkaufmann existieren auch bei mehreren Personen privatrechtliche und handelsrechtliche Zusammenschlüsse. Wird dabei die Haftung nicht extra beschränkt, gibt es zwei Standardausformungen, die GbR und die OHG.

Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR)

Die GbR gilt als Zusammenschluss von privaten Personen zur Verfolgung eines gemeinschaftlichen Zwecks als Unternehmensform mit unbeschränkter Haftung. Vorteile der GbR: kein Mindestkapital, bis auf eine gründende Vereinbarung zwischen den Gesellschaftern keine formalen Erfordernisse & volles Mitbestimmungsrecht aller Gesellschafter. Der Nachteil ist die schon angeführte Haftung mit dem Gesellschafts- und auch mit dem privaten Vermögen der Gesellschafter.

Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Gleich dem eingetragenen Einzelkaufmann muss eine OHG ins Handelsregister eingetragen sein. Dieser formale Zusatz bildet mit der allgemeinen Haftung auf Gesellschafts- und Privatvermögen der Gesellschafter die negative Seite bei der Unternehmensform OHG. Die Vorteile sind neben dem nicht zu leistenden Stammkapital und dem globalen Mitbestimmungsrecht der einzelnen Gesellschafter die durch den Handelsregistereintrag entstehende Vertrauensbasis bei potentiellen Partnern.

Genau diese Vertrauenswürdigkeit sinkt im Folgenden bei den Rechtsformen, die sich mit der Haftungsbeschränkung in der einen oder anderen Linie beschäftigen. Denn der potentielle Vertragspartner möchte bei möglichen Verletzungen oder Schäden gern komplett Regress verlangen. Daher muss die Frage der Haftung von mehreren Seiten beleuchtet werden.


Einschub: Haftungsbeschränkung – Gold oder Glitter?

Natürlich sind Schadensersatzforderungen oder Mängelansprüche eine ernstzunehmende und bei ab einer bestimmten Höhe auch unternehmensgefährdend. Dies ergibt sich schon aus der simplen Feststellung, dass den Umsätzen immer Kosten gegenüber stehen. Daher sind die Einnahmen kein direkter Gewinn sondern erst nach Abzug der variablen und fixen Kosten, Steuern und Abgaben, Kredite etc. bleibt (bestenfalls) Geld übrig, dass der oder die Unternehmer dann privat nutzen können. Ansprüche gegen das Unternehmen bewegen sich aber meist in den Größenordnungen der jeweiligen Angebote. Eine Vollziehung im Vermögen kann dann nicht nur das Unternehmen sondern auch die persönliche Existenz des Gesellschafters empfindlich stören oder schlimmstenfalls vernichten.

Andererseits sind sich die meisten Unternehmer bewusst, dass Sie bei Geschäften mit GmbH und anderen Gesellschaftsformen in die Gefahr kommen, kein Geld bei einer möglicherweise notwendigen Zwangsvollstreckung mangels Masse zu bekommen. Daher ist das geschäftliche Ansehen einer GmbH schlechter als das einer OHG oder einer Kommanditgesellschaft (KG) – dort haftet wenigstens der Komplementär. Daher muss genau überdacht werden, ob die Gründung einer haftungsbeschränkten Gesellschaft, egal in welcher Ausprägung nicht für den Geschäftsablauf kontraproduktiv sein kann – oder ob eben der Schutz des eigenen Vermögens im Vordergrund stehen sollte.


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Frage 3: Welche Möglichkeiten der haftungsbeschränkten Gesellschaft haben Sie?

Die Haftungsbeschränkung geht einher mit der Notwendigkeit der Leistung einer sogenannten Stammeinlage. Dieses Stammkapital ist je nach Rechtsform unterschiedlich. Hinzu kommt bei allen haftungsbeschränkten Formen die Verpflichtung zur Eintragung im Handelsregister – teilweise auch mit verschärften Bilanzpflichten.

Kommanditgesellschaft (KG)

Die KG ist quasi der „Übergang“ zwischen der OHG zu den stammeinlagepflichtigen Rechtsformen. Es muss kein Mindestkapital hinterlegt werden. Die Gesellschafter sind jedoch in Komplementär und Kommanditist geteilt. Der Kommanditist haftet nur für die im Gesellschaftsvertrag eingetragene und hinterlegte Kapitaleinlage, darf jedoch keine Geschäftsführung übernehmen. Der Komplementär hingegen führt das Unternehmen und haftet im Schadensfall auch mit seinem Privatvermögen.

Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)

Die Anzahl der Gesellschafter ist variabel, eine UG Gründung wäre schon mit einem Gesellschafter möglich. Durch den geringen Gründungsaufwand und das minimale Stammkapital von 1 Euro und der Wählbarkeit der Höhe des Gesellschaftsvermögens ist die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) eine interessante Angelegenheit, zumal die Haftung auf das im Gesellschaftsvertrag festgelegte Vermögen beschränkt ist. Nachteile der UG: Pflichtrücklagen, notarielle Beurkundung der Gründung, Handelsregistereintragung und (bedingt durch die sehr variable Vermögensfestlegung) geringe Vertrauenswürdigkeit bei Geschäftsabschlüssen.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Die GmbH gilt als Dauerbrenner bei den haftungsbegrenzten Gesellschaften. Dies begründet sich zum einen auf die Variabilität in der Gründung (freie Personenanzahl, Bar- und Sachgründung möglich, ab Mindestgrenze frei wählbares Stammkapital). Zum Anderen führt die relativ hohe Stammeinlage von mindestens 25.000 Euro zu einer deutlich verbesserten Vertrauenslage bei den potentiellen Geschäftspartnern. Nachteile: Hoher Aufwand durch Notar-Beurkundung und Handelsregister-Eintrag!

Kleine Aktiengesellschaft (AG)

Die (kleine) Aktiengesellschaft deckelt sämtliche Haftungen auf den Aktienkapitalwert, der mindestens 50.000 Euro betragen muss. Sämtliche Regelungen sind formal sehr stark limitiert und dadurch extrem professionalisiert. Handelsregister-Eintrag und gehobene Bilanzpflicht gehören zum Zusatzaufwand dieser Rechtsform.


Andere Formen

Natürlich existieren noch verschiedene andere Formen, wie etwa die GmbH & Co. KG, bei der die GmbH in die Rolle des persönlich haftenden Komplementärs schlüpft, und damit die Haftung zum zweiten Mal deckelt. Ähnliches gilt für die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) – hier wird durch den Aktienkapitalwert eine Begrenzung hervorgerufen.

Allein diese kurze Skizzierung der Möglichkeiten zeigt den Variantenreichtum – aber auch die Notwendigkeit einer eingehenden Fachberatung im Vorfeld der Unternehmensgründung oder Umformung einer Firma! Nutzen Sie daher unser Beratungspaket „Beratung zur Rechtsform vom Unternehmen“ – wir erarbeiten gemeinsam mit Ihnen die für Sie passenden Eckdaten zu der optimalen Rechtsform Ihrer Firma.

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