Arbeitszeugnis erhalten - die 5 wichtigsten Fragen

Sie wollen oder müssen die Arbeitsstellen wechseln? Damit es mit einer neuen Bewerbung klappt, fordert der potentielle neue Arbeitgeber zumeist ein Arbeitszeugnis von der alten Stelle. Damit wird eine gewisse Vertrauensbasis für die Verhandlungen geschaffen, da der Arbeitgeber ja nicht weiß, was Sie können und wieso gerade Sie der Richtige für den ausgeschriebenen Job sind. Als Arbeitnehmer haben Sie von Gesetzes wegen einen Anspruch auf die Ausstellung eines Arbeitszeugnisses. Von Gesetzes wegen muss vom Unternehmen ein Zeugnis ausgestellt werden – ansonsten macht sich die Firma schlimmstenfalls schadensersatzpflichtig.

Das Arbeitszeugnis

Grundsatzfrage: Wie sieht ein Arbeitszeugnis aus?

Das Arbeitszeugnis gilt als Einschätzung der Leistungen bei der alten Arbeitsstelle inklusive sämtlicher Fähigkeiten und Funktionen, aber auch mit den innerbetrieblich wahrgenommenen Softskills. Damit werden unter anderem Eifer, Fleiß oder Intelligenz beschrieben, welche Einarbeitung oder Erledigung der Aufgaben jenseits der normalen Erfüllung positiv (manchmal auch negativ) beeinflusst haben.

Grundsätzlich hat sich in der Rechtsprechung eine positive Ausformung von Arbeitszeugnissen durch den früheren Arbeitgeber als Verpflichtung etabliert. Das bedeutet, dass zwar notenähnliche Einschätzungen abgegeben werden dürfen, diese aber eher höher denn niedriger anzusetzen sind.

Als Nachweis der eigenen Fähigkeiten muss ein Arbeitszeugnis zum letzten Tag des Arbeitsverhältnisses ausgestellt werden, Zwischenzeugnisse in fixen zeitlichen Abschnitten sind jedoch durchaus üblich und Teil vieler Unternehmensabläufe. Sie dürfen sogar vom Arbeitnehmer verlangt werden, falls dafür ein triftiger Grund vorliegt. Triftigkeit liegt beispielsweise beim Ablauf der Probezeit, bei der Bewerbung um einen Weiterbildungsplatz oder bei befristeten Arbeitsverhältnissen vor. Aber auch ein neuer Chef oder eine Versetzung innerhalb des Unternehmens können ein Zwischenzeugnis sinnvoll sein lassen.

Was sollte in einem Arbeitszeugnis enthalten sein?

Als Bescheinigung der Leistungen muss die Dauer vom Arbeitsverhältnis angeben werden, also von wann bis wann haben Sie diesen Job wahrgenommen. Die oberste Aufgabe vom Arbeitszeugnis ist, klar zu machen, wieviel Erfahrung der Arbeitnehmer hat!

Grundinhalte bei einem qualifizierten Zeugnis:

  • Dauer der Beschäftigung
  • Beschreibung der Aufgabengebiete/Tätigkeiten
  • Zufriedenheit des Vorgesetzten mit Deiner Arbeit
  • Dein allgemeines Verhalten im Unternehmen oder im Team
  • Nette Grußformel am Schluss

Was ist der „Code“ in einem Arbeitszeugnis?

Einen wirklichen Code gibt es nicht. Jedoch variieren die Formulierungen teilweise erheblich. Der Grundtenor muss wohlwollen sein. Ein „Herr …. war jeden Tag sturzbetrunken, übellaunig und beschimpfte unsere Kunden auf das Herrlichste.“ wird niemals in einem Zeugnis zu lesen sein (hoffentlich zumindest).

Aber die Einordnung von Persönlichkeit und Verhalten des Arbeitnehmers werden durch bestimmte Klauseln als besser oder eben etwas schlechter eingestuft. Diese Benotung kann in vielen Passagen eines Arbeitszeugnisses versteckt sein. Wir haben einige Beispiele herausgesucht und die entsprechenden Teile verglichen:

Arbeitszeugnis Arbeitsmoral

Arbeitsmoral

„Herr … war ein stets äußerst motivierter Mitarbeiter. Schwierige Aufgaben ging er mit großem Elan an und fand dabei immer sinnvolle und praktikable Lösungen. Er arbeitete stets sehr effizient, zielstrebig und sorgfältig und bewies ein herausragendes Organisationsgeschick.“

Das ist eine glatte Eins mit Sternchen. Die Superlative gehen in dieser Beurteilung überhaupt nicht aus. „Äußerst“, „immer“ oder „stets“ sind Sinnbilder für eine gute Benotung. Adjektive wie „sinnvoll“, „herausragend“ oder „effizient“ weisen zusätzlich auf enorme Zufriedenheit beim vormaligen Arbeitgeber. Ein etwas anderes Beispiel hingegen zeigt, was nach unten möglich ist:

„Frau … arbeitete sich stets schnell und aktiv in neue Projekte ein. Alle ihr übertragenen Aufgaben hat sie sehr engagiert und selbstständig stets zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt.“

Zwar haben wir auch hier einen positiven Grundtenor – aber es ist noch Platz nach oben. „Vollste Zufriedenheit“, „sehr schnell“ oder „mit höchstem Engagement“ wären das Pünktchen auf der Eins gewesen. Zwei minus quasi – wenn es Schulnoten sein sollten.

Arbeitszeugnis Belastbarkeit

Belastbarkeit

Auch in puncto Belastbarkeit bringen kleine Nuancen den Unterschied, wie etwa:

„Herr …  zeichnete sich auch in extremen Stresssituationen und unter Zeitdruck stets durch hohe Belastbarkeit und Zielorientierung aus. Er beeindruckte stets durch qualitativ und quantitativ hervorragende Ergebnisse.“

Da fragt sich ein neuer Arbeitgeber: Warum hat der alte ihn dann gehen lassen. Entweder persönliche Gründe oder teaminterne – auf jeden Fall wäre ein Vorstellungsgespräch absolut sinnvoll. Das Arbeitszeugnis kann aber auch eine andere Grundstimmung verbreiten:

„Wir lernten ihn als engagierten, aufgeschlossenen Mitarbeiter kennen, der seine Tätigkeit mit vollem Einsatz erfolgreich ausführte.“

„Wir lernten ihn kennen“ ist keine nette Formulierung, sie vermittelt Distanz zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter. „Seine Tätigkeit durchführen“ zeugt ebenfalls nicht von einem wachen und effizient arbeitenden Menschen – da eben keine Ziele jenseits der eingefahrenen Pfade erfüllt werden können von diesem Arbeitnehmer. Ein neuer Arbeitgeber würde hier wohl eher die Finger von lassen!

Last-but-not-least: Abschiedsfloskeln

Diesmal beginnen wir mit dem Negativbeispiel:

„Das Arbeitsverhältnis endet aus betriebsbedingten Gründen zum 01.04.2017. Wir danken Frau …  für die erbrachte Leistung und wünschen ihm für die Zukunft weiterhin alles Gute.“

Einfach übersetzt – wir haben kein Geld mehr, um diesen Arbeitnehmer durchzuschleppen. Die „erbrachte Leistung“ ist ein zusätzliches Problem, denn Leistung erbringen sagt nichts über deren Qualität aus! Ganz anders hört sich folgender Abschluss an:

„Frau … verlässt unser Unternehmen nach Ablauf der vereinbarten Frist. Da wir mit ihren Leistungen stets in höchstem Maße zufrieden waren, haben wir Frau …  ein Angebot für den Berufseinstieg nach Abschluss des Studiums unterbreitet, und wir würden uns sehr freuen, wenn sie es annimmt. Wir danken ihr für die stets hervorragende Zusammenarbeit und bedauern es sehr, sie als Mitarbeiterin zu verlieren. Für ihren weiteren Berufs- und Lebensweg wünschen wir ihr alles Gute und auch weiterhin viel Erfolg.“

Das ist Wertschätzung in Buchstabenform – der neue Arbeitgeber wird es sich definitiv zweimal überlegen, diesen Kandidaten nicht zum Vorstellungsgespräch zu bitten. Gerade der Versuch, den Mitarbeiter zu halten und die mitschwingende Trauer um den Verlust der hochgeschätzten Arbeitskraft zeigt, dass hier ein Mitarbeiter nur ungern ziehen gelassen wurde.


Was tun, wenn die Benotung als schlecht empfunden wird?

Stellt sich nun die Frage – können Sie die Formulierungen im Zeugnis beeinflussen? Grundsätzlich steht es natürlich dem alten Arbeitgeber frei, das Arbeitszeugnis zu schreiben, wie es ihm beliebt. Meist verwenden die Chefs aber „Vorlagen“ für solche Beurteilungen. Daher reicht zumeist ein Gespräch unter vier Augen, um etwaig problematische Formulierungen aus dem Zeugnis zu entfernen. Hier macht es sich sehr oft bezahlt, alternative Formulierungen parat zu haben. Wir geben dafür auch Ratschläge in unserem Produkt „Arbeitszeugnis prüfen“. Für wenig Aufwand erhalten Sie dann gleich das Reservoir an Begriffen und Satzkonstruktionen, um Ihrem Chef die richtige Beurteilung aus der Feder zu locken.

LAW APOYNT-TIPP: Bereiten Sie einfach die entsprechenden Passagen in einer eigenen Formulierung vor und bereiten Sie sich auf eine Diskussion mit dem Chef vor. Dieser wird meist sinnvollen Argumenten Folge leisten – so ist das Zeugnis schnell verbessert!

Gibt es formelle Fehler, die ein Arbeitszeugnis nicht haben darf?

Formal muss das Arbeitszeugnis zu allererst einmal eine gewisse Qualität aufweisen. Es muss sauber sein, auf gutem Papier gedruckt und mit dem Firmenbriefkopf versehen sein. Der Zugang muss entweder persönlich oder per Post erfolgen, elektronischer Zugang via E-Mail ist ein Formfehler. Name, Adresse und Geburtsdatum müssen korrekt sein. Der Grund des Endes des Arbeitsverhältnisses darf nicht enthalten sein – die Darstellung, ob es fristgemäß oder außerordentlich ist, darf wiederum aufgeschrieben sein. Eine handschriftliche Unterschrift wird ebenfalls für ein formwirksames Arbeitszeugnis vorausgesetzt.

Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Arbeitszeugnis nun wirklich Ihre Leistungen ordentlich darstellt oder Sie versteckte Fußangeln vermuten, fragen Sie einfach einen unserer Fachanwälte um Rat. Der wird Ihnen schnell und einfach weiterhelfen.

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